Lion Leadership und Business Excellence

Interview mit Kerstin Plehwe – The power of InspirAction 

Als Medienprofi und Vollblutunternehmerin inspiriert und motiviert Kerstin Plehwe Unternehmen weltweit mit ganz persönlichen Erfahrungen, klugen Analysen und wichtigen Innovationsimpulsen. Die Mischung aus Charme und souveräner Kompetenz, mit der sie auf der Bühne steht, kennt man aus ihren Fernsehbeiträgen: Es geht um Erfolg und Führung, um Innovation, Veränderungen und den überlebenswichtigen Perspektivwechsel auf allen Ebenen von Unternehmen. Und sie lebt selbst, wovon sie auf internationalen Vortragsbühnen spricht – als Managerin, langjährige Unternehmerin, Top-Beraterin von Politik und Wirtschaft,  Bestsellerautorin und Rangerin in Afrika.

 WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Als Unternehmerin sind Sie auf Augenhöhe mit dem Management und sie haben den Anspruch, mit Ihren Vorträgen etwas zu bewirken.

Plehwe, KerstinKerstin Plehwe: Ich werde nicht gebucht, weil die Themen über die ich spreche einzigartig wären – viele reden über Innovation, Veränderung oder Führung. Ich werde gebucht weil ich als Unternehmerin viele Jahre selber erlebt habe, mit welchen Problemen sich Führungskräfte heute herumschlagen müssen, welche Schwächen Unternehmen im Lauf der Zeit am Markt entwickeln und ich habe durch viele Mandate weltweit kluge und innovative Lösungsansätze sehen dürfen. Ich denke, man muss das Rad heute nicht neu erfinden aber immer wieder über den Tellerrand schauen, offen sein für neue Impulse und diese dann auch konsequent umsetzen. Dabei helfen meine Vorträge und Bücher, so hoffe ich zumindest …

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Sie sind ein Medien- und Kommunikationsprofi…

Kerstin Plehwe:  Wenn Sie mehr als 20 Jahre Kunden in diesem Bereich begleiten,  lange Fernsehen machen und etliche Bücher schreiben, haben Sie viele Erfahrungen und gerade die Politik ist da ein wunderbarer Lehrmeister gewesen. Ich habe beispielsweise für N24 mit Dieter Kronzucker die US Präsidentschaftswahlkämpfe analysiert und den hochspannenden Wettkampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama miterlebt, da kann jeder Manager, Geschäftsführer und Marketingexperte im Bereich Strategie, Kommunikation, Vertrauen und Innovation viel lernen. Aber auch für gemeinnützige Organisationen war das spannend, denn im Bereich Spendengenerierung und Freiwilligen-Engagement hat dieser Wahlkampf Geschichte geschrieben.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Führung ist auch eines Ihrer Themen.

Kerstin Plehwe:  Ich nenne das lieber Leadership, das hat für mich eine deutlich positivere Konnotation als Führung. Auf der Bühne gebe ich Einblicke, warum und wie sich Führung meiner Meinung nach verändern muss: weil sich die Menschen verändert haben, weil sich unsere Gesellschaft verändert, weil sich die Werte verändert haben. Veränderung ist etwas, was Menschen nicht leicht fällt und je größer die Organisation, so meine Erfahrung, desto gegenwärtiger sind die Beharrungskräfte gegen Veränderung. Die Kunst in Unternehmen ist es, den Veränderungsprozess kontinuierlich zu betreiben, ohne dass es ein großes Projekt ist oder Ängste hervorruft. Da können wir alle von der Natur viel lernen, ein Grund warum ich nach Afrika gegangen bin.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION:  Wie hat sich Führung verändert oder wie wird sie sich verändern?

Kerstin Plehwe:  Führung oder Leadership ist ja immer im gesellschaftlichen Kontext zu sehen, früher hat man anders geführt als heute: in den 60er, 70er und 80er Jahren, ist es sehr dominant, sehr hierarchisch und auch sehr autokratisch zugegangen, das hat auch keiner infrage gestellt. Heute ist es eher so, dass die Grundlage, auf der Führung aufbaute, nicht mehr im gleichen Maß vorhanden ist. Beispielsweise hat das Vertrauen der Menschen in den letzten 15 Jahren kontinuierlich abgenommen. Das Vertrauen in die Sicherheit des Arbeitsplatzes, in die Integrität von Unternehmen, auch in die Glaubwürdigkeit der Topmanager, der Führungskräfte. Heute reicht es nicht mehr zu sagen „So wird’s gemacht“ die Mitarbeiter erwarten eine andere Kommunikation: Transparenz und Partizipation, aber auch Empathie und Sinnhaftigkeit sind da wichtige Schlagworte.  Aus diesen Gründen erodieren übrigens nicht nur viele Unternehmen sondern scheitern auch etliche Großprojekte. Mit definierter Teilhabe, einer Führung, die eher einbindet als ausgrenzt, und einer Kommunikation, die stärker zum Dialog einlädt, als es früher notwendig war, können aber auch diese gelingen.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Wenn Sie über Führung sprechen, reden Sie über konkrete Ereignisse, die Sie selber erlebt haben.

Kerstin Plehwe: Ich habe selber lange geführt, gemanagt, Mitarbeitergespräche geführt, Unternehmen aufgebaut, verkauft, habe viel gelernt in der Zeit, vieles anscheinend richtig, manches auch falsch gemacht. Ich weiß, wie sich Alltag in Unternehmen anfühlt und weiß vor allem, warum und wie sehr man unter Druck steht und sich selber auch unter Druck setzt. Ich rede immer über Ereignisse, die tatsächlich passiert sind – best practise wie auch worst case – ich erzähle natürlich auch von Fehlern, eigenen und solchen, die ich im Business erlebt habe. Aber ich spreche auch über das, was gut ist, was man von anderen lernen kann. Für mein Buch „Die Macht der Frauen“ hatte ich beispielsweise in 30 Ländern Spitzensportlerinnen, Präsidentinnen, Wissenschaftlerinnen und Nobelpreisträgerinnen getroffen. Allein deren Erfahrungen würden ausreichen Tausende von Vorträgen zu halten. Aber ich bin ja auch sehr viel in den USA, Asien und Europa in verschiedensten Branchen unterwegs, Einzelhandel, Finanzdienstleistungen oder in der Automobilbranche. Wenn man über den deutschen Tellerrand hinausschaut und das Sharing of Knowledge auf einer globalen Ebene betreibt, finde ich das hoch spannend, da sehe ich mich als Mittler.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION:  Ihr Ansatz ist Sharing durch Storytelling…

Kerstin Plehwe: Ja, aber für mich ist der Schritt danach genauso wichtig, InspirAction nenne ich das: Inspiration zur Aktion. Es geht mir darum etwas mitzuteilen, zu teilen, was zu einer Handlung motiviert. Ich denke Inspiration alleine reicht heute nicht aus, um Veränderungen erfolgreich umzusetzen. Mir ist es wichtig, dass Menschen, die meine Vorträge gehört haben, für sich einige ganz konkrete Sachen mitnehmen, die sie am nächsten Tag tatsächlich umsetzen können. Dass ein Denkprozess angestoßen wird, über die Inspiration des Vortrages hinaus. Handlungsimpulse zu setzen, die wirklich umsetzbar sind, ist mir wichtig.  Ich sehe mich als einen Initiator für Verbesserungen.

Ich war nur ein Mal in meinem Leben angestellt, bei Microsoft, es ist lange her, aber dort habe ich eine wichtige Inspiration mitbekommen. Bei einem europäischen Marketing & Sales Meeting in Barcelona sagte Steve Ballmer auf der Bühne „Tomorrow, when you go back to Munich, just remember one thing, you want to change about your work – just one thing.” Diese Botschaft ist bei mir und vielen anderen an diesem Tag angekommen und schon im Flugzeug auf dem Weg zurück haben wahrscheinlich 50 und mehr ganz konkrete Ideen das Licht der Welt erblickt – das hat mich inspiriert, etwas mitzugeben, das verändert.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Am Schluss Ihrer TED Rede über Frauen und Leadership stellen sie die Frage: „Was ist es, dass Sie antreibt?“

Kerstin Plehwe: Ich erlebe es oft, wenn ich von Firmen zu Diversity-Themen eingeladen werde, dass die Beispiele von Frauen, die sehr hohe Positionen erreicht haben, tatsächlich sehr wichtig sind. Es gibt immer noch zu wenig gute Beispiele von Top-Frauen in der breiten Öffentlichkeit. Kein Wunder, dass, obwohl wir eine so bunte Gesellschaft sind, viele Top-Etagen der Wirtschaft eindimensional aussehen: männlich, weiß und round about zwischen 40 und 50. So können eben auch Firmen nicht erfolgreich sein und damit bin ich kein Verfechter der Frauenquote sondern von echter Diversität. Das Geschlecht ist nur ein Merkmal von vielen. Alter, Herkunft, Hautfarbe etc. sind viele andere wichtige Merkmale für Entscheidungsgremien.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Meinen Sie, dass Führung sich ändert, dass sie „weiblicher“ wird? Gibt es „weibliche Führung“?

Kerstin Plehwe:  Ja, das gibt es, aber ich glaube, dass Führung insgesamt facettenreicher werden muss. Wir werden ja nicht verhehlen, dass wir in Deutschland als ehemaliger Exportweltmeister in einem extrem globalen Wettbewerb stehen und ein entsprechend hohes Verständnis davon haben müssen, wie unsere globalen Märkte ticken. Das sind beispielsweise zunehmend asiatische Märkte, aber wie viele Asiaten sind in deutschen Aufsichtsräten? Ich rede nicht von Integrationsprojekten, ich rede von einer realeren Abbildung unserer Gesellschaft und der Konsumenten in einer globalen Welt. Da gibt es Reibungsprozesse in den Unternehmen, aber da wo Reibung entsteht, entsteht auch Energie.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Da braucht es Mut zur Veränderung.

Kerstin Plehwe: Ja, genau. Mut ist aber nach einer aktuellen Studie das mit am wenigsten ausgeprägte Merkmal vieler europäischer Manager. Ich halte das für fatal, denn Führung braucht Mut. Auch den Mut zu Emotionen und Visionen. Da können wir Deutschen viel von Ausländern lernen. Unsere Stärke ist oft das Detail, aber manchmal braucht es eben auch das große Ganze. An Visionen und Geschichten hängen Emotionen und die sind für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil der neuen Führung. In diesem Kontext entstehen dann auch andere Qualitäten, die wir dringend brauchen, z.B. einen anderen Umgang mit Fehlern oder eine bessere Servicekultur. Da geht es dann um echte Business Excellence und neue Erfolge in angestammten Märkten.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Chicken oder Pasta – da gleichen sich alle Airlines im Angebot …

Kerstin Plehwe:  An vielen Stellen haben sich Mitarbeiter angewöhnt auf eine bestimmte Art und Weise mit dem Kunden umzugehen, Chicken oder Pasta ist da ganz typisch – man macht eben immer dasselbe, einigermaßen freundlich. Da gäbe es aber hundert Optionen, das Essen zu verteilen, damit der Kunde das Gefühl bekommt, diese Airline ist besser als andere, mit der fliege ich das nächste Mal wieder und das habe ich ja noch nie erlebt im Flieger. Magic Moments – magische Moment mit dem Kunden und für den Kunden schaffen, trotz Alltag und Routine, das muss doch das Ziel sein.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Das ist das Thema einer Ihrer Vorträge, die Kundenperspektive bringt den Erfolg.

Kerstin Plehwe: Es geht darum, sich aus dem eigenen Weltbild herauszulösen und zu erkennen, in welchem Framework der andere ist. Viele Unternehmen erleben die Kundenperspektive aber nur noch in Marktforschungsberichten, die sind aber nicht das wirkliche Leben. Viele Unternehmen sind sehr mit sich selbst beschäftigt, den Abläufen in Strukturen, der Präsenz in Meetings, den Budgets, Reports etc. Da geht der Blick auf den Kunden und seine Bedürfnisse, aus dem eigene Chancen erwachsen, verloren.  Dieses Problem erlebe ich immer wieder über alle Branchen- und Ländergrenzen hinweg.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION:  In ihrem Afrika-Vortrag reden Sie über Leadership und Teambuilding mit Erfahrungen und Bildern aus Ihrer Zeit als Ranger in Afrika:  beispielsweise gibt es da die Geschichte von der Elefantenkuh, die ihre Herde führt, indem sie immer wieder einmal stehen bleibt, scheinbar gar nichts tut, Kontakt aufnimmt, und – unsichtbar für den Beobachter – wahrnimmt, was in Herde und Umfeld gerade los ist.

Kerstin Plehwe: Meine Auszeit in Afrika war in mehrfacher Hinsicht eine ganz großartige Erfahrung. Als Führungskraft hatte ich lange die Haltung „Urlaub ist überbewertet“ und ein Dasein ohne Blackberry oder Smartphone nicht möglich. Afrika hat mir beigebracht loszulassen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und wie gut es ist, seine Komfortzone gerade als Führungskraft immer wieder zu verlassen. Um meinen Traum des Rangers erleben zu können, musste ich aber genau das tun: meine Komfortzone des Büroalltags verlassen, Mitarbeiter, Familie, Kunden und alles, was mir wichtig war, zurücklassen und mich auf ein Abenteuer einlassen. Diese Erfahrung alleine war Gold wert aber sehr schnell setzte auch die Erkenntnis ein, dass jeder Manager, jedes Team sehr viel von den Tieren Afrikas lernen kann.  Bei der Elefantenkuh, die Sie genannt haben, geht es z.B. auch um Führung, um die bei uns Menschen oft vergessene Wahrnehmung von dem was ist. Ich kniete bei der Beobachtung dieser Elefantenkuh im kniehohen Gras, voll Respekt gegenüber diesen gigantischen Tieren, aber mir war sofort klar, was ich hier lernen kann: Ein  Chef, der nie innehält, bleibt unterhalb seiner Möglichkeiten. Und zwar weit.

Der Afrika-Vortrag ist u.a. deshalb so kraftvoll, weil Menschen sich in einem ganz anderen Kontext, der zudem mit tollen Bildern und Videos untermalt ist, wiedererkennen und das Lernen automatisch passiert. Die Natur ist ein großartiger Lehrmeister, natürlich nicht nur in Afrika. Deswegen werde ich auch immer wieder bewusst in die Natur gehen und in diesem Jahr auch anfangen Leadership Experiences für Führungskräfte in der Natur anzubieten. Man kann auf der Bühne vieles vermitteln, aber wenn man es selbst erfährt und das Adrenalin in einem hochkocht während man hautnah dabei ist, z.B. bei einer Löwenjagd, ist das noch einmal eine ganz andere Ebene.


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