„Es gibt keine geeigneten Frauen hier für CEO-Jobs“


Klasse Überschrift, oder? Die Aufmerksamkeit in der Szene war damit gesichert, als der Artikel über Heiner Thorborg in der August-Ausgabe des Cicero erschienen ist. Herr Thorborg ist einer der erfolgreichsten Headhunter im deutschsprachigen Raum, Initiator des Mangerinnen-Netzwerks Generation CEO und Inhaber von Female Factor, einer Agentur, die Frauen in Top-Positionen vermittelt. Provokant also, ein solcher Satz zur Lage in den Vorstandsetagen der DAX 30 Unternehmen aus seinem Munde.

Lernfähig, wenn es an die eigene Brieftasche geht

Thorborg_Virzi_Cicero

Bei genauem Lesen des dreiseitigen Interviews des Cicero mit ihm und seiner Geschäftspartnerin Frau Virzí allerdings relativieren sich die Dinge: Herr Thorborg begründet seine Einschätzung damit, dass Frauen in den Vorständen zurzeit überwiegend die Posten Personal und Recht besetzen, die nicht „die optimalen Sprungbretter“ für CEO-Positionen seien. Mit dieser Beobachtung liegt er sicherlich richtig, wie auch mit seiner Einschätzung, dass es nur eine wirkliche Veränderung der Situation geben kann, wenn Diversity in den Zielvereinbarungen der Manager steht, denn „Wenn es an die eigene Brieftasche geht, sind Männer übrigens auch sehr lernfähig.“, so Thorborg. „Doch wer von den DAX-Unternehmen steht wirklich mit geballter Faust dahinter und sagt: Und wenn ihr nicht mitmacht, werdet ihr das spüren? Ich würde sagen, vielleicht ein Drittel.“, so Thorborg weiter. (Foto zum Interview im Cicero)

Wen tausche ich aus?

Die Beobachtung von Frau Virzí, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen meist weniger souverän auftreten ist auch realistisch: „Sie lassen sich für Geleistetes bezahlen, Männer lassen sich dafür bezahlen, was sie dem Unternehmen zukünftig an Mehrwert bringen.“ Sobald eine Frau allerdings fordernder aufträte, „harte, kompetente Fragen stellt, kann das auch nach hinten losgehen.“, so Thorborg – das gleiche Verhalten würde bei einem Mann positiv bewertet. Ein weiteres Manko sei, dass sich Frauen in Vorstandspositionen seltener ein funktionierendes Netzwerk aufbauten und sich fragten “wer ist für mich, wer ist gegen mich? Wen tausche ich aus?“

Männer sind kein Auslaufmodell in den Führungsetagen

So weit, so erbaulich, und mit seiner abschließenden Einschätzung, dass gemischte Führungsteams nachweislich erfolgreicher sind als Monokulturen, weswegen  Männer in den Führungsetagen kein „Auslaufmodell“ seien, kann man dann auch wieder einverstanden sein. Darüber hinaus wird es aber einen tiefgreifenden Kulturwandel geben müssen, der das Wort „Frauenförderung“, das Herr Thorborg auch gern benutzt, in den Abfalleimer der Sozialgeschichte fegen wird. 51% Prozent der Bevölkerung sind weiblich – damit auch 51% der Spitzentalente, darauf kann keine Wirtschaft im Wettbewerb verzichten. Die Dynamik und die Innovationskraft des Megatrends Female Shift allerdings liegen nicht darin, dass Frauen lernen, sich wie Männer zu verhalten. Nein, der Erfolg liegt in der Inklusion diverser Sichtweisen und Erfahrungen und gegenseitiger Wertschätzung. Dafür müssen sicherlich auch Frauen lernen, sich gegenseitig im Unternehmen zu unterstützen, dafür müssen vor allem auch Role Models her, die den Schritt in die Führungsposition für Frauen selbstverständlich machen.
Link zum Cicero Artikel


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