“Don’t rock the boat”

Endlich haben wir eine Antwort auf die Frage “Warum sind Frauen die besseren Aufsichtsräte?”. Eine durchschnittlich um 53% höhere Eigenkapitalrendite (ROE), 66% höhere Erträge aus Investitionen (ROI) und 42% höhere Umsatzrenditen1) machen den kleinen Unterschied sobald mindestens eine Frau im Board ist – das war Chris Bart und Gregory McQueen2) eine Studie3) wert.

Genau nachfragen, andere Standpunkte berücksichtigen

Die beiden Professoren befragten 624 Aufsichtsratsmitglieder (75% Männer und 25% Frauen) nach der Art und Weise, wie sie Entscheidungen treffen. Alle Argumente zu den Testszenarien wurden drei wesentlichen Strategien zugeordnet:

  1. Persönliches Interesse: What’s in it for me
  2. Normatives Urteilen: Don’t rock the boat
  3. Complex Moral Reasoning (CMR)

Im Ergebnis ist der Anteil der persönlichen Motive bei der Entscheidungsfindung bei Männern und Frauen ungefähr gleich und zwar eher niedrig. Das spricht für die moralischen Standards der Business-Elite. Der normativ begründete Anteil ist bei beiden etwa doppelt so hoch und bedeutet, dass Compliance ein wesentliches Merkmal der Entscheidungen im Board ist. Bei Männern ist er etwas höher. Das lässt vermuten, dass die Regeln in der Gruppe für sie vergleichsweise verbindlicher

sind als für weibliche Aufsichtsratsmitglieder. Der Anteil komplexer moralischer Überlegungen ist in der gesamten Gruppe am höchsten, wie es bei Menschen in einer solchen Position zu erwarten ist – sie alle sind durch ihren Weg an die Spitze schon besonders qualifiziert und geschult. Bei Frauen allerdings ist der Anteil der Überlegungen, die dieser dritten Qualität zugeordnet werden, noch einmal wesentlich höher.

Nicht mit den Wölfen heulen

CMR ist also, so Bart und McQueen, genau das, was männliche „Directors“ von weiblichen unterscheidet und so erfolgreich macht: Frauen an der Spitze sind wesentlich eher geneigt, viele unterschiedliche Standpunkte aller Stakeholder mit in ihre Überlegungen einzubeziehen um zu einer moralisch konsistenten und nachhaltigen Entscheidung auf der Basis von Zusammenarbeit, Kompromiss und Konsensfähigkeit zu kommen, sie fragen mehr nach und berücksichtigen ein mehrfaches an möglichen Lösungen. Sie sind auch eher bereit “…to rock the board boat“, so Bart und McQueen, also „das Boot (Board) ins Schwanken zu bringen“ und unorthodoxe Entscheidungen zu treffen. Das könnte ein Grund sein, weshalb so wenige Frauen in Spitzenpositionen geholt werden (9% weltweit im Moment), wie die beiden Autoren der Studie vermuten. Frauen in Aufsichtsräten treffen also die besseren Entscheidungen (s.o.), weil sie andere Wege gehen – das gilt natürlich dann, wenn sie authentisch bleiben und ihre höchst effizienten CMR-Talente auch nutzen und sich nicht an die Regeln ihrer männlichen Kollegen anpassen. Bart und McQueen gehen sogar so weit, die Frage nach der treuhänderischen Verpflichtung zu stellen: Wessen Interessen verfolgen Aufsichtsräte eigentlich, die keine Frauen ins Board holen und diese einfache und offensichtliche Maßnahme zur Effizienzsteigerung auslassen: „Weil das ganz bestimmt nicht im Interesse des Unternehmens ist!“

Aufsichtsräte_2013

Prozesse aufsetzen

Die Zahlen und Fakten liegen auf dem Tisch – wie kommen wir ins Tun? Was sind die nächsten Schritte, um den Wandel voran zu treiben? Wir freuen uns auf Ideen, Statements und auf Ihre Erfahrungen!

1) Joy, L., Carter, N.M., Wagener, H.M. and Narayanan, S. (2007) The Bottom Line: Corporate Performance and Women’s Representation on Boards, Catalyst Research Report, 15 October, 2007, http://www.catalyst.org/knowledge/bottom-line-corporate-performance-and-womensrepresentation-boards
2) Die Autoren: Chris Bart is the world’s leading authority on organisational mission and vision statements. Founder, Principal and Lead Professor of The Directors College at McMaster University, he has over 170 publications and is the recipient of numerous awards and honours, is listed in Canadian Who’s Who and has been a Director on many Boards. Gregory McQueen is an applied ethicist who lectures in the fields of bio medical ethics, ethics, and cognitive moral reasoning as it applies to leadership decision-making and business management. He facilitates corporate/board planning, reorganisation, ethical decision making and executive team building. He holds a faculty associate appointment at the Niagara Institute, an international leadership development centre within the Conference Board of Canada. He is a member of the faculty of the Directors College at McMaster University and is a certified executive feedback coach with the Center for Creative Leadership, University of North Carolina.
3) Die Studie “Why Women Make Better Directors” in Bart, C. and McQueen, G. (2013) ‘Why women make better directors?’, Int. J. Business Governance and Ethics, Vol. 8, No. 1, pp.93–99. Als PDF: http://www.boarddiversity.ca/sites/default/files/IJBGE8-Paper5-Why-Women-Make-Better-Directors.pdf

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