Den Kapitalismus verändern

Große Scheine, die da zurzeit in den Medien im Umlauf sind: 2013 wird das Jahr des großen Sprungs zum Thema Gender Diversity, weil in deutschen Großunternehmen überdurchschnittlich viele Spitzenpositionen neu zu besetzen sind. Unter der Führung von Frauen soll der Kapitalismus weiblicher werden – aber was genau ist der weibliche Führungsstil, was machen Frauen anders?

Weiblicher Führungsstil?

McKinsey(1) definiert neun Kriterien für gute Führungsqualitäten, von denen Frauen folgende Eigenschaften signifikant häufiger aufweisen als Männer: sie stehen für klare Rollendefinitionen und eindeutige Zuordnung von Verantwortung, sie sind stärker im Mentoring und im Coaching von Mitarbeitern. Gisela Erler, Programmdirektorin der „Work-Life and Diversity“ Konferenz, sieht den Unterschied darin, dass Frauen persönlich weniger kompetitiv und weniger hierarchiebesessen seien, mehr nach Sinn als nach Macht strebten. Eine weiblichere Wirtschaft würde also eher fragen „…wer was am besten kann, als, wer wen am schnellsten besiegt.“(2) Die diesjährige Analyse der Credit Suisse zur Performance von Unternehmen mit Frauen in der Führung im Vergleich zu Unternehmen ohne weibliche Beteiligung an der Spitze besagt, dass erstere in Krisenzeiten wesentlich besser dastehen, während letztere in Phasen des Aufschwungs leicht vorne liegen. So ergibt sich langsam ein Bild vom „weiblicheren Kapitalismus“: „… flexibler, selbstbestimmter und etwas weniger krisenanfällig…“(3).

Die kritische Masse

Allerdings setzen sich weibliche Führungsqualitäten erst richtig durch, wenn sie selbstverständlich werden, erst dann, wenn sich Frauen nicht männliche Führungsqualitäten aneignen, um Karriere zu machen. Solange nun aber die „kritische Masse“ von mindestens drei Frauen pro Gremium nicht erreicht ist, müssen wir uns mit der Light Version des weiblichen Kapitalismus begnügen. Nehmen wir mal an, das sei die Phase, in der wir uns jetzt befinden, dann wäre das Hauptprinzip, nach dem Vorstände und Aufsichtsräte mit weiblicher Beteiligung heute besser performen: „Nobody wants to look bad in front of a stranger!“(4) – jedenfalls bis 2014 …

(1)Women Matter II

(2)Zeit, Nr. 69/2012

(3)Zeit, ebd.

(4)Zitat aus einer aktuellen Studie der Credit Suisse


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