„Holt die Männer mit ins Boot.“

… der nächste Schritt in den Diversity Abteilungen ist vorgegeben

Dies ist ein Artikel von Gabriele Schendl-Gallhofer, Initiatorin der Plattform, Pumps & Shoes über den Summit der Women Speaker Foundation: „Nachdenkliches und Erfreuliches zum Women-Speaker-Foundation-Summit vom 13.0.9.2013 in München. Subjektive Betrachtungsweise über eine bewegende Veranstaltung“

 

Gabriele Schendl-GallhoferDa war sie wieder, diese freudige Anspannung, diese Lust auf Information und auf Gespräche mit interessanten Menschen. Mit dem Lift in das 5.Stockwerk eines Hochhauses in München fahren und dann nur dem Stimmengemurmel folgen. Ein interessanter und bestätigender Tag nahm seinen Anfang. Vorneweg, der Tag war gespickt mit interessanten Vorträgen von hoher Qualität und wertvollen Informationen. Es war ein Genuss. Ein herzlicher Dank an die Organisatorin dieser Veranstaltung: Regina Mehler. 

 

 

Ein erstes Resümée von den Inhalten dieser Veranstaltung: 

Der nächste Schritt in den Diversity Abteilungen ist vorgegeben: „Holt die Männer mit ins Boot.“ Ja und genau das unterstreicht meine Meinung, meine Intention: „Raus aus dem Kampf, hinein ins Engagieren und in ein wertschätzendes Miteinander.“ Solange wir Frauen uns als Untergebene, als Minderheit sehen, die um ihre Rechte kämpfen muss, wird es einen Verlierer geben, nämlich unsere zukünftige Gesellschaft. Es gilt Möglichkeiten zu finden, Frauen und Männer wieder zu einem respektvollen Umgang miteinander und zu einer wertschätzenden Kommunikation untereinander zu führen. Dafür braucht es neue Begrifflichkeiten wie: überzeugen, aufklären, sich engagieren. Genau das war die faszinierende Energie, die die gesamte Veranstaltung begleitete: es waren Engagement, Motivation und Zuversicht zu spüren. Herrlich!

Für mich war der erste Vortrag schon eines der Highlights. Ursula Schwarzenbart, Chief Diversity Officer, Daimler AG, berichtete aus dem Leben einer Diversity-Chefin. Ganz nebenbei: Wussten Sie, dass Daimler von einem Ehepaar gegründet worden ist? Dass der erste Autofahrer eine Frau war, nämlich die Gattin von Carl Friedrich Benz, Cäcilie Bertha Benz UND, Cäcilies unternehmerischer, technischer und finanzieller Einsatz die Voraussetzungen für die Erfindung des Benz-Patent-Motorwagens bildeten? Und das alles Ende des 19.Jahrhunderts!

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass ich bei meiner Recherche diesen Grundsatz in der Gender Diversity von Daimler entdeckt habe: „Gender Diversity. Vom Potenzial der Frauen und Männer profitieren »Frauen sind ein bedeutender Teil des Marktes. Als Unternehmen mit dem Anspruch an Spitzenleistung sollten wir die Balance der Geschlechter als Teil unserer Kultur betrachten.« Sari Baldauf, Mitglied des Daimler-Aufsichtrats und Anteilseignervertreterin.“ Gut, um da jetzt nichts einseitig zu verherrlichen, wir wurden im Vortrag auch damit konfrontiert, dass der Frauenanteil im Unternehmen bei 15% liegt. Da gibt es noch viel zu tun.

Doch nach dem kurzen Exkurs zur Daimler AG, zurück zum Vortrag. Wie spannend war es, Frau Schwarzenbart zuzuhören, die ohne Aggression, sondern mit sprühender Energie, Überzeugung und dem nötigen Quäntchen Humor davon erzählt hat, wie Sie als Kopf der Diversity-Abteilung die Männer zu Beginn ihrer Tätigkeit erst dafür gewinnen musste, mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen zu fördern. Sie erklärte den Ablauf in einem sehr bildhaften Modell. Ein Modell, das grundsätzlich für die Einführung aller Neuerungen Gültigkeit hat:

Die Stufe der unbewussten Inkompetenz: (mein Kurzkommentar dazu: Gerade die Frauen meiner Generation wissen ganz genau, was das bedeutet: „Es läuft doch alles gut. Warum sollten wir uns den Ärger mit den Frauen aufhalsen.“ Sorry Männer, so war das damals, vielleicht in manchen Bereichen heute noch … )

Die Stufe der bewussten Inkompetenz: (mein Kurzkommentar dazu: „Klar, es gibt ein Problem, doch wir wissen uns dafür keine Lösung.“ Diese bewusste Inkompetenz finde ich häufig in den Gesprächen mit den männlichen Zuhörern im Anschluss an meine Vorträge zur Gender-Kommunikation. )

Die Stufe der bewussten Kompetenz: (mein Kurzkommentar dazu: „Wir haben erkannt und gehen ins TUN.“ Daran arbeiten viele Firmen bereits: Modelle zur Gender Diversity werden entworfen, implementiert und umgesetzt. Um hier wirklich zur breitflächigen Veränderung zu kommen, haben wir allerdings zuvor noch Entwicklungsarbeit in der Stufe bewusste Inkompetenz zu leisten.)

Die Stufe der unbewussten Kompetenz: (Das ist das große Ziel: Gender Diversity wird zum Teil der Gesellschaftsstruktur und der Kultur, wie es über Jahrzehnte , die „Männerdominanz“ war. Hier brachte Frau Schwarzenbart das Beispiel mit dem geübten Autofahren.)

Ja, und dass es dazu auch noch einiger Schritte von uns Frauen selbst bedarf, das wurde uns in dem sehr anschaulichen Vortrag, von Vanessa Hensel Geschäftsführerin EQUWIN GmbH, durch gespielte Beispiele anschaulich vor Augen geführt. Ihre Kernaussagen:
„Um eine aktive, achtsame Zusammenarbeit zwischen Mann und Frau zu erreichen benötigt es folgende Schritte:

  • Es gilt die Männer von Folgendem zu überzeugen: Es gibt einen Vorteil eine Minderheit zu integrieren.
  • Ihr Lösung: Frauen macht euch sichtbar!
  • Ihre Umsetzungsstrategie: Frau muss auf zwei Fragen eine Antwort finden: Was will ich wirklich? Wo sind meine Grenzen.“

Genau diese Unsicherheit der Frauen, dieses teilweise mangelnde Selbstbewusstsein und das mangelnde Selbstvertrauen, verunmöglichen vonseiten der Frau her, eine Diskussion auf Augenhöhe. Frau Dr. Ursula Schütze-Kreilkamp, Head of Group HR Development and Group Executives der DB ML AG, brachte dieses Phänomen auf den Punkt und sprach vom „Susi sein“ als Verhaltensmuster bei Frauen, wenn diese den Kopf in Diskussionen schräg legen und lieb lächeln. Verhaltenes, wissendes Lächeln vonseiten der Zuhörerinnen und Zuhörer der Veranstaltung ließ erahnen: da gibt es noch
Veränderungsbedarf. Interessant auch der Vortrag von Herrn Stefan Osthaus, Gründer und CEO von mybalance.net. Er betonte, wie wichtig es ist, statt der „Work-Life-Balance“ einen breiteren Ansatz zu wählen: die Life Balance aller Lebensbereiche, innerhalb derer die Arbeit keinesfalls 50% einnehmen sollte. Es besteht immer die Gefahr, dass Frauen „ausbrennen“ wenn sie nicht auch an sich und Ihre Bedürfnisse denken, diese diskutieren und ihre Standpunkte zur eigenen Life-Balance auch bestimmt vertreten.

Zum guten Schluss noch zwei Sätze, die mich persönlich sehr zum Nachdenken angeregt haben und die in einer Podiumsdiskussion voller überzeugter Standpunkte gefallen sind:

  • Der eine Satz lautet: „Das Problem entsteht dadurch, dass Frauen Familienmanagement zum Frauenmanagement machen.“ Ich denke: ‚Wie Wahr!‘ Wir Frauen haben völlig vergessen, dass wir einen Partner zur Seite haben und für die Männer ist’s bequem oder sie haben resigniert, weil die Frau um diesen Anspruch gekämpft hat: „Ich kann es besser als du!“‘.
  • Der zweite Satz kam von Frau Heidi Stopper, Vorstand HR ProSiebenSat.1 Media AG. Sie gab auf den Einwand, dass Frau und Mutter sein eine riesen Herausforderung sei und uns als Frau vor eine schier unlösbare Aufgabe stelle, die für mich bewegendste Antwort des Tages: „Ich empfinde Arbeit und Familie nicht als doppelte Last, sondern als doppeltes Vergnügen. Ich bin dankbar, dass ich beides habe: eine wunderbare Familie und einen spannenden Job.“ ‘Wie anders fühlt sich die „Dreifach-Aufgabe an“, wenn man den Blickwinkel der Dankbarkeit mit einbezieht‘, fällt mir sofort danach spontan dazu ein.

Mein allgemeines Resümée:

Gender-Diversity ist unser nächster Schritt, dabei müssen wir beachten, dass die nächsten umfangreichen Herausforderungen dabei in der Änderung des Mindsets bestehen. Wir Frauen müssen, und da verwende ich das Wort „müssen“ ganz bewusst, sichtbar werden, selbstbewusst kommunizieren und handeln. Die Männer müssen sich mit der Frau und Ihren „Eigenarten“ auseinandersetzen und diese in ihre Arbeitsmodelle und das tägliche Arbeitsleben integrieren. Eine der wichtigsten Möglichkeiten, zum Aufbau eines funktionierenden, wertschätzenden Dialogs zwischen Mann und Frau ist die Information. Männer sind verunsichert, wie sie sich korrekt Frauen gegenüber verhalten sollen und weichen dann lieber der Zusammenarbeit mit Frauen aus. Frauen sollten sich wieder mehr mit den Männern, deren Bedürfnisse, deren Gedanken, deren Herausforderung als Vater, als Rollenbild beschäftigen und deren Eigenheiten in der
Zusammenarbeit. Wenn wir uns wieder besser kennen, dann weichen Angst und Aggression. Erst dann ist eine Zusammenarbeit möglich, die auch den zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt erhält.

Es gibt noch viel zu tun, doch wir sind auf einem wunderbaren Weg!


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Kommentar(e)

  1. Wir sind tatsächlich auf einem wunderbaren Weg und können selbst sehr viel mehr tun, als viele Frauen vielleicht denken. Mit dem eigenen Bewusstsein für die individuellen Stärken und Potenziale und einem klaren beruflichen Ziel fängt es an. Menschen, die ein fundiertes positives Bild von sich selbst haben, wirken auch positiv auf andere. Um sich selbst effektiv zu vermarkten und sichtbar zu werden, sollte ich mir folgende Frage beantworten: wessen Unterstützung benötige ich? Und auch: wessen Interessen laufe ich womöglich zuwider? Erst dann kann ich eine geeignete Selbstvermarktungsstrategie entwickeln, die mich bei potenziellen Unterstützern bekannt macht und die richtigen Assoziationen zu mir weckt, ganz ohne Schaumschlägerei. Ganz und gar authentisch! Eine wichtige Grundlage jeder herausragenden Karriere: denken und handeln Sie ab sofort politisch, um Ihre Initiativen voranzutreiben und eigene Ziele zu erreichen!

    Als kleine Inspiration für alle Frauen, die aktiv werden wollen, kommen hier meine Erfolgsregeln, um in Führung zu gehen:

    1. Fokussiere Dich auf Deine Stärken,
    nicht auf Deine Schwächen! Du sollst Dein volles Potenzial entfalten, nicht gegen Dich ankämpfen.

    2. Zeige Deine Stärken nach außen!
    Positioniere Dich strategisch mit Deinen individuellen Stärken, die für Deinen Erfolg wichtig sind.
    Steuere die Wahrnehmung Deiner Person hierzu ganz bewusst.

    3. Setze Dir anspruchsvolle, messbare Ziele!
    Setze Dir konkrete Ziele, die auf den ersten Blick unrealistisch erscheinen!
    Wenn der zu erwartende Lohn für Deine Bemühungen mittelmäßig ist, wirst Du Dich auch nur durchschnittlich anstrengen.

    4. Werde aktiv!
    Warte nicht, bis Du entdeckt wirst, sondern suche selbst nach neuen Positionen, Aufgaben oder Projekten, die Dir das nötige Prestige und die öffentliche Anerkennung für Dein Fortkommen bringen. Setze klare Prioritäten und hüte Dich vor Fleißaufgaben!

    5. Manage Dein eigenes Erfolgsnetzwerk!
    Es nützt Dir gar nichts, gut oder besser zu sein, wenn Dich Entscheider gar nicht kennen.
    Überlege, wer Dich kennen sollte und was er mit Dir verbinden soll. Baue diese Kontakte gezielt auf und pflege sie.

    6. Lerne die Spielregeln der Macht!
    Du musst diese männlichen Spielregeln nicht schätzen oder mögen. Aber Du musst sie kennen, um sie für Dich nutzen zu können. Erst wenn Du an der Macht bist, kannst Du die Spielregeln verändern.

    7. Unterstütze andere Frauen!
    Fördere andere Frauen mit Potenzial und ziehe sie mit Dir mit nach oben.
    Je mehr gute Frauen die Führung übernehmen, desto eher können wir Unternehmenskulturen so verändern, dass Familie und Karriere für Frauen als auch für Männer kein Widerspruch mehr sind.

    8. Fang sofort an!
    Aus dem Satz: „Das mache ich Morgen“ wird nie etwas. Egal wie klein der Schritt ist, mache ihn jetzt!

    Wenn Du Hilfe und Unterstützung benötigst, findest Du weitere Inspiration im Buch „Lust auf Macht – wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen“

    Unterstützen wir uns gegenseitig, damit die besten Frauen gemeinsam mit den besten Männern in Führung gehen!
    Mit den besten Wünschen,
    Andrea Och