Frauen und Innovation

//4 VON „DOPPELVERDIENERN“ ZUR „DOUBLE CAREER“

Corinna Conradt

Diese Epoche der deutschen Geschichte nennen wir Wirtschaftswunder: nach dem Krieg „fehlten“ die Männer, Frauen machten einfach in allen Bereichen alles, was nötig war, danach blieben sie wieder zuhause. Man „musste“ ja nicht arbeiten. Doppelverdiener, Doppelbelastung, Schlüsselkind, Rabenmutter: in diesen (deutschen) Wörtern spiegelt sich ein Vorkriegs-Wertekanon, der uns noch heute in den Knochen sitzt – Männern und Frauen. „Ein neues Rollenmodell für Frauen haben wir noch nicht und auch kein Rollenmodell für Männer. Immer noch erfolgreich sind alte patriarchale Muster und Konzepte, die weiterhin nahezu unbewusst ablaufen“, so Prof. Dr. Witzer, Autorin und Executive Coach, in einem Interview im März vergangenen Jahres.

Ehrgeiz ziemt sich nicht

Beispielhaft ist auch das Heidi/Howard Experiment (Harvard Business School, 2003): der Lebenslauf einer sehr erfolgreichen Frau wurde zwei Gruppen von Studenten vorgelegt – nur in dem einen CV hieß sie statt Heidi „Howard“ und bekam wesentlich bessere Noten auf der Sympathie-Skala von Studentinnen und Studenten. Das heißt, Frauen sind heute entweder beliebt oder erfolgreich. So sehen sie auch noch immer ihr Geschlecht als Haupthindernis für ihre Karriere (Accenture Frauenstudie, 2007), Frauen haben bescheidenere Erwartungen und erreichen weniger, so ein Ergenbnis der Studie. 70% der Frauen gaben an, mit ihrer derzeitigen Position zufrieden zu sein und nur jede fünfte Frau will den Aufstieg auf der Karriereleiter – dieses Ziel haben allerdings die Hälfte der Männer. 28% der Frauen meinen, ihnen fehle die nötige Qualifikation für den Aufstieg – im Vergleich dazu nehmen nur 7% der Männer das von sich an. Oder kurz gesagt: Ehrgeiz ziemt sich nicht. Weiterlesen

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Frauen und Innovation

//3 INNOVATIONSMANAGEMENT: PROJEKT „LEAKY PIPELINE“

Corinna Conradt

Es liegt nicht an der Ausbildung: über die Hälfte der Absolventen an deutschen Hochschulen sind Frauen, EU-weit sind es 59%, aber nur ein Drittel aller Führungspositionen sind weiblich besetzt und nur 2,4% im Topmanagement der 500 größten deutschen Unternehmen. Es liegt auch nicht an der Art der Qualifikation: in Deutschland rekrutiert sich der überwiegende Teil der Vorstandsposten aus BWLern und Juristen – Fächer, in denen die Abschlüsse unter Männern und Frauen gleichmäßig verteilt sind. Wir sprechen hier also auch von einer „Leaky Pipeline“: Wo sind all die ambitionierten, intelligenten und talentierten Frauen geblieben? Wo scheren sie aus, wo geben sie auf, wann ziehen sie sich zurück aus ihrer vielversprechenden Karriere und warum?

Den „Brain Drain“ stoppen – ein Milliardenprojekt

Was bedeutet es für ein Unternehmen oder für eine Institution, wenn ausschließlich Männer an der Spitze stehen? Es heißt: hier sitzen nicht die besten Köpfe ihres Faches, weil der Pool bereits vor der Auswahl halbiert wurde. Einfache Rechnung: kein Unternehmen, das innovativ ist und sich im Markt behaupten muss, kann es sich leisten, 50% der besten Köpfe den Wettbewerbern zu überlassen – national wie international. Nicht „Political Correctness“ (PC) steht also bei der Suche nach weiblichen Talenten im Vordergrund, sondern der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Institutionen und Unternehmen aber sind für Frauen weit weniger interessant, wenn sie eine männliche Managementkultur beim potentiellen Arbeitgeber vermuten. Weiterlesen

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Frauen in der Politik

„So regiert die Kanzlerin“: Interview mit Margaret Heckel

Dr. Margaret Heckel Frau Heckel, sie sind Journalistin und Autorin des Buches „So regiert die Kanzlerin“. Wie beschreiben Sie den Führungsstil von Angela Merkel? Ist das eine typisch weibliche Art zu führen? Was unterscheidet die Kanzlerin von ihren männlichen Politikerkollegen?

Margaret Heckel: Ich glaube nicht, dass Angela Merkel einen speziell weiblichen Führungsstil hat. Was sie aber nach meiner Beobachtung von sehr vielen Politikern unterscheidet, ist die Fähigkeit, auch mal „neben sich zu stehen“, also sozusagen von außen auf ihre Handlungen zu gucken. Sie kann das, weil sie nicht besonders eitel ist. So ist sie in der Lage, klarer zu analysieren als viele ihrer Politikerkollegen. Und das ist letztlich der Grund, dass die Frau, die so lange in ihrer Laufbahn unterschätzt wurde, immer wieder als Siegerin rausgekommen ist. Sie war den entscheidenden Zug weiter und hat die verschiedenen Handlungsoptionen ihres Gegenübers schon durchdacht, bevor der sich überhaupt für eine dieser Handlungsoptionen entscheidet. Dieses „Mal-neben-sich-stehen“ schärft die Analysefähigkeit. Weiterlesen

Frauen in der Politik

Interview mit der Münchner OB-Kandidatin Sabine Nallinger

Frau Nallinger, Sie kandidieren als Oberbürgermeisterin in München – welche Erfahrungen haben sie mit den Männerkulturen in der Politik gemacht und was denken Sie, warum es nur so wenige Frauen in Führungspositionen in der Kommunalpolitik gibt?

Foto: Konrad Fersterer

Foto: Konrad Fersterer

Sabine Nallinger: Ich verfüge nicht über lange Erfahrung in der Parteipolitik. Ich bin allerdings schon sehr früh ein politischer Mensch gewesen, politisch interessiert, habe mich auch eingebracht in Bürgerinitiativen und in Vereinen und habe mich eingemischt. Ich bin vielleicht vor 13 oder 14 Jahren bei den Grünen eingetreten und ich bin jetzt seit knapp sechs Jahren im Stadtrat. Davor habe ich mich sehr auf meinen Beruf konzentriert und habe da natürlich schon auch  grüne Projekte voran getrieben in der Stadt und in der Verkehrsplanung, aber ich bin quasi eine Quereinsteigerin in der Politik. Auch mein Beruf ist eine Männerdomäne, ich bin ja Stadt- und Verkehrsplanerin. Als ich vor über 20 Jahren angefangen habe,  war die Verkehrsplanung ein reiner „Männerladen“.

WOMEN SPEAKER FOUNDATION: Warum ist es für Frauen schwierig in der Politik weiter zu kommen, wo sind die Barrieren?

Sabine Nallinger: Wir hatten ja viele Jahre in Frankfurt die Petra Roth, die einen super Job gemacht hat und auch Städtetags-Präsidentin gewesen ist. Mittlerweile gibt es keine einzige Großstadt mehr, die von einer Frau regiert wird. Weiterlesen

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Frauen und Innovation

//2 WER GEWINNT DAS RENNEN?

 

Corinna Conradt

Auf der Poleposition der Agenden von Executives rund um den Globus steht das Thema Innovation: Kapazitäten, Budgets, Prozesse, Output und Return on Invest (RoI). Innovationskraft ist der Schlüssel zu Wettbewerbsfähigkeit und Erfolg – woran auch immer man den messen möchte. Der Entrepreneur, so schon Joseph Schumpeter Anfang des 20. Jahrhunderts, suche seine wirtschaftliche Position durch Innovationen zu verbessern. Es sei der Unternehmergeist, der Innovationen erzwinge und damit Wirtschaftswachstum und sozialen Wandel vorantreibe. Aber wie finde ich Lösungen für Probleme oder Antworten auf Fragen, die noch niemand gestellt hat? Wie organisiere ich die reibungslose „Creatio ex Nihilo“ und wie wird der ständige Zugriff auf Problemlösungen zur Vermeidung von Krisen institutionalisiert? Wie müssen innovative Teams aussehen? So ist es weltweit seit Jahrzehnten ein zentrales Anliegen, herauszufinden, wie Innovationen entstehen, wie man sie forciert und plant – wie erfolgreiches Innovationsmanagement aussieht. Weiterlesen

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Frauen und Innovation

//1 NEWS AUS DAVOS UND LONDON

Tatsächlich ist der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten sowie auch in hohen politischen Ämtern bei uns in Deutschland wieder leicht zurückgegangen. Dabei gibt es eine klare Korrelation im „Gender Gap Report“ des World Economic Forum (WEF) zwischen „Economic Performance“ eines Landes und der Beteiligung von Frauen an Macht, Bildung und Besitz. Diese Beteiligung sei ausschlaggebend für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und pro-Kopf-Einkommen einer Gesellschaft, sagte Christine Lagarde (in ihrer Eigenschaft als Managing Director in der „Richard Dimbleby Lecture“ vor dem International Monetary Fund (IMF) am 3. Februar 2014).

Gender Diversity ist vom „Nice-to-have“ zum Businesscase geworden. Unternehmen stehen im Wettbewerb um es bei weiblichen Highprofessionals auf die Liste der „Wunscharbeitgeber“ zu schaffen und entwickeln Employer Brandings die 100-prozentig „inclusive“ sind. Weiterlesen

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